gegensätze - Katharina Pachta
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gegensätze

 

gegensätze

 

bumm. zack. sitz ich wieder in meinem haus im grünen. fühl mich als wäre ein tornado über mich hinweggefegt. lande unkompliziertest in österreich. über den wolken war es noch so klar. zu landen in der gänzlich anderen kultur. aber in der realität ist es ein mittlerer schock wieder hier zu sein.

dort zu landen war weniger fordernd. ich bin reingeschlüpft in diese welt. wie einen vertrauten hauspatschen zog es mich in diese kultur. ich war mittendrin im pulsieren dieser menschen. was für ein tanz. überlebenstanz dort. für mich eine erfahrung. die all meine sinne zum beben brachte.

ich bin eingetaucht. abgetaucht. hab mich verloren. fühlte mich mittellos. arm. musste feilschen um jeden dirham. mein geld zusammenhalten. meine wertsachen festhalten. meine kleidung. schuhe. ohrringe. ringe. fast hätten sie mir auch noch die haare vom kopf geklaubt.

so fühlte es sich an.

und dann wieder schritt ich wie eine königin durch die wabernde. wogende welt. im vergleich reich an geld. reich an erfahrungen. reich an bildung. reich an gütern schritt ich durch die souks. die vorstadtstraßen. mit einem lächeln im gesicht. das sich potenzierte. sobald mich jemand ansah.

fülle pur. jeder augenblick so intensiv. so lebendig. so unvergleichlich. seit jahren wollte ich dorthin. seit vor den kindern war dieses land ein traum. ich wollte sehen all die schnörkel. das verspielte. das wogen und wabern. die gerüche schmecken. tief eintauchen bis an die basis.

und es ist gelungen.

was für eine erfahrung. ich bin noch nicht ganz da. noch nicht ganz gelandet. die seele braucht länger. also lass ich mir zeit. stürze mich noch nicht ins weihnachtsfieber. lasse es noch außen vor. betrachte lieber all meine schätze. die tajines. kosmetiktiegelchen. öle. tücher. djellabas. ja. drei davon mussten mit.

ich liebe und verfluche diese erfahrung gleichzeitig. ich hab mich reich und gleichzeitig bettelarm gefühlt. war großzügig und hielt alles zusammen. kleidete mich bunt und bunter. um mich am schluss in schwarz zu verabschieden. erfreute mich an einfachsten gerichten. suchte den betörendsten geschmack.

ich hab mich hineingedreht und hinaus. herauszufinden war manchmal gar nicht so leicht. ich blieb drin hängen im bettelarm sein. im sorgenvoll in die welt blicken. im überlebenskampf. ich war sie. sie waren ich. bis ich verstand. ich kann mich wieder rausdrehen. ich muss nicht da bleiben.

diese reise hat mir vor augen geführt. wie reich ich wirklich bin. wie viel fülle ich erfahren darf. nicht nur finanziell. sondern in der möglichkeit. mich zu erfahren. ich kann alles sein. bettelarm und reich. groß und klein. wild und still. verzagt und forsch. frei und begrenzt.

es ist meine wahl.
jeden tag.
immer. ????