erfüllung - Katharina Pachta
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erfüllung

erfüllung

 

weißt du. früher hab ich erfüllung gesucht in so vielem. weil in mir drin war es leer. so sinnentleert. so traurig unerfüllt. aber ich wusste nicht. was ändern. wohin mit mir und meinen sehnsüchten. ich hing in der luft. als ausweg vertschüsste ich mich in tausend kleine handlungen.

um die leere zu füllen. konnte ich stundenlang einkaufen gehen. aber ich ging nicht einkaufen. weil ich schuhe oder einen mantel brauchte. sondern ich ging einkaufen. um die zeit zu füllen. oft kaufte ich gar nichts. weil nichts am ehesten meinen unklaren vorstellungen entsprach.

um die leere zu füllen verausgabte ich mich in fitnesscentern. beim laufen. schitouren. mountainbiken. wandern. bergsteigen. ich schwitzte gerne. holte viel aus mir raus. und war stolz darauf. so gut trainiert zu sein. mithalten zu können mit männern. frauen fand ich beim sporteln oft langweilig. unambitioniert. zu schlapp.

um die leere zu füllen. behübschte ich mich mit schminke. schmuck und besonderen kleidern. ich gockelte durch die welt. eine maske aus schön. jung und fesch anzusehen. aber in mir drin war es grauschwarz. und es gab viel wut auf jene. die heiter. gelassen und glücklich waren.

essen hat mich nicht besonders interessiert. ich habe eher aufs essen vergessen. alkohol zog auch nicht. hin und wieder manchmal über wochen ein bisschen zu viel. aber weder essen noch drogen gaben mir den kick. um die leere zu füllen. sonst wäre ich vielleicht auch noch kugelrund geworden.

so hielt ich die fassade aufrecht. hübsch und adrett. ordentlich und verlässlich war ich tochter. freundin. frau. ehefrau. mutter. angestellte. arbeitende. brave bürgerin und was sonst noch alles innerhalb der norm. was für ein leben. innerlich lechzte ich nach mehr. wusste aber nicht. wonach konkret.

viele kleine hinks und links brauchte es. um das ruder herumzudrehen. langsam kam ich in meine spur. hätte ich damals schon die gehilf*innen gehabt. oder hätte ich besser zugehört. den begleiter*innen und freund*innen. aber wahrscheinlich hätte ich nur mir selbst zuhören müssen.

heute bin ich ruhiger. immer wieder sehr still. viel langsamer und aufmerksam. damit ich die kleine stimme nicht überhöre. damit sie zu mir flüstern kann. was ich brauche. um glücklich zu sein. damit sie nicht untergeht. damit ICH nicht untergehe. habe ich mein leben massiv entstresst. entspannt.

😕 warum deckst du dich ein mit so viel aktivität?

😕 warum lässt du kein bisschen raum für dich?

😕 warum erlaubst du nicht die stille?

😕 warum lässt du all den fremdmüll an dich heran?

😕 warum hast du so große angst vor der leere?

wenn du wie irre durch dein leben läufst. wirst du es niemals erfahren. hören. wissen. nur du kannst wissen. was dein herz begehrt. nur du kannst all die fragen beantworten. die du dir stellst. wo es hingehen. was dein leben beinhalten soll. den sinn deines lebens.

deine aufgabe. deine einzige aufgabe ist es. dich auf dich zu besinnen. ganz tief in dein herz zu spüren. was ins leben gerufen werden will. wir haben es leider nicht gelernt. aber es ist so einfach. du kannst heute noch damit beginnen. werde still. lausche. erlaube die leere. damit sich dein leben füllen kann.

also. hinsetzen. durchschnaufen. klappe halten. 💕