schreiben hilft - Katharina Pachta
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schreiben hilft

 

schreiben hilft

 

stille. stille ist wieder eingekehrt in meinem paradies. ich hatte viele wochen turbulentes treiben hier. viele menschen besuchten mich. wollten mein neues zuhause kennenlernen. dann gab es auch noch ein großes fest. ich hab alles genossen. ich liebe menschen. es war intensiv. reich. voller fülle.

jetzt kehrt stille ein. in die ich mich zurückziehe. ganz bewusst. in der ich mich zurechtfinden darf. anfangs bin ich verwirrt. verunsichert. suche nach halt. möchte gleich wieder menschen zu mir bitten. in bewegung stürzen. kann mit dem raum nichts anfangen. will den raum gar nicht.

es ist so leicht. sich zu verlieren. von aktivitäten wegschwemmen zu lassen. so leicht. sich in anderen zu verlieren. menschen um sich zu sammeln. tohuwabohu zu erzeugen. lärm. viele worte. geschrei. musik. abenteuer. turbulenzen. höhenschwünge. so leicht. sich selbst nicht spüren zu müssen.

ich bin in einer großfamilie aufgewachsen. bei uns war immer was los. fünf kinder machen viel wind. meine mutter war und ist eine große socializerin. so sagt man heute. früher hätte man sie kontaktfreudig genannt. sie ist neugierig. offen. demnach waren bei uns immer viele menschen.

ich bin es also gewohnt. dass immer was los ist. menschen ein und ausgehen. menschen anrufen. ich schreibe in der gegenwart. aber es ist nicht mehr so. ich habe damit aufgehört. früher war ich 24/7 verfügbar. immer abrufbar. ständig auf achse. spürbar lebte ich nur. wenn was los war.

heute lebe ich allein in einem haus im grünen. und wenn dann mal wieder alle gegangen sind. heimgefahren in ihre häuser und wohnungen. bleibe ich hier. das ist manchmal schwierig. ungewohnt. das kann ich noch nicht so gut. diese stille zu erlauben. keine menschen um mich.

vor allem meine kinder haben mir sicherheit gegeben. solange sie bei mir wohnten. hatte ich – ohne etwas dafür tun zu müssen – immer etwas zu tun. eine aufgabe. muttersein bedeutet eine aufgabe haben. zumindest bekochen konnte ich sie. und die wäsche waschen. und ein bisschen betüteln.

aber diese zeiten sind vorbei. weil ich entschieden habe. dass ich alleine in einem haus im grünen wohnen will. und dieses haus steht tatsächlich im grünen. wenn ich nicht sehr laut schreie. hört mich niemand. und niemand wird reagieren. also muss ich schon sehr sehr laut schreien.

schreien hilft. um sich zu vergewissern. dass man noch lebt. wenn man alleine wohnt mit so viel raum rundherum. hat man manchmal das gefühl vergessen zu werden. dann würde schreien helfen. ich schreie aber nicht gerne. ich schreibe lieber. das ist freundlicher. friedlicher.

gegen das vergessen. 💕