mattscheibe - Katharina Pachta
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mattscheibe

 

mattscheibe

 

heute sehe ich eine mattscheibe statt meines üblichen ausblicks in den garten. ich hatte die nacht über die tür geöffnet. zwegn der frischen luft. und weil ich die geräusche der natur liebe. die hereindringen. nachts momentan krötenlaute. und morgens vogelgezwitscher. das lässt mich entspannt schlafen.

und da hier in den hügeln die luft grad sehr feucht ist und kühler als drinnen. hat es die scheiben beschlagen. jetzt sehe ich den garten mit weichzeichner. aber vielleicht ist das eh gut. weil dort so viel arbeit auf mich wartet. heute zb holzschlichten. so kann ich viel besser den kaffee im bett genießen.

und ich kann auch besser nachsinnen. vor welchen mattscheiben ich in meinem leben schon saß. meine erste bewusst erlebte mattscheibe war an dem ferienort. in das meine familie oft fuhr. es war ein altes bauernhaus mit alten kastenfenstern. und an diesen scheiben gab es öfters mattscheibe.

in diese mattscheiben kringelte ich in unbeobachteten momenten mit meinen kleinen wurstelfingern hübsche zeichnungen. beobachtete die wassertropfen. die meine kringel auslösten und freute mich an dem durchblick. der an den linien entstand. so verbrachte ich meine zeit als kleines kind. mit so simplen dingen.

wunderbare mattscheiben.

später gab es dann die verlockendste mattscheibe ever. wir hatten keine daheim. deswegen hatte sie eine ganz besondere anziehung. aber es war verboten. mein vater fand. dass diese kisten volksverblödung erzeugten. und er wurde superböse. wenn er uns davor entdeckte. dann gab es schimpfe.

obwohl das. was uns da in den 70er jahren geboten wurde. harmlos war im vergleich zu heute. ich hab meine kinder in dieser hinsicht auch an kurzer leine gehalten. und wenn wir uns mal was reinzogen. war mir das viel zu schnell und schnell zu wild. meine kinder waren danach total durchgeknallt.

böööse mattscheiben.

und dann kenne ich noch die mattscheiben in meinem kopf. die gibt es grad häufiger. ich wollte in ein haus am land ziehen. um zu schreiben. aber was ich entdecke. sind viele leerräume. in denen absolut nichts fließt. also nichts buchähnliches. da ist mattscheibe. so matt wie die scheiben vor mir.

die mattscheiben gibt es. wenn ich nicht raum schaffe. wenn ich vor lauter haus einrichten. gartengewurstel. menschen einladen und das neue leben ein bisschen genießen. nicht zum schreiben komme. fürs schreiben braucht es muße. und die hab ich hier noch nicht gefunden.

also wird es grad weiterhin kein buch geben. sondern ergüsse wie diesen. das hier geht so nebenbei und macht mir spaß und dir vielleicht freude und so sind wir dann zwei. die sich daran nicht stoßen. dass es derweil noch kein buch gibt. weil es gibt ja so viel anderes zu entdecken. dass zum beispiel die sonne hinter den mattscheiben scheint.

happy sunny day to you. 💕