ich bemühe mich - Katharina Pachta
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ich bemühe mich

 

ich bemühe mich

 

ich bemühe mich. immer wieder bemühe ich mich. nicht so lange texte zu schreiben. weil ich weiß. dass man heutzutage nicht so gerne lange texte liest. wo wir ja immer mehr zugedröhnt werden von allem möglichen. da ist ein langer text dann schon eine herausforderung.

also bemühe ich mich. und schreibe außerdem in kleinen häppchen. damit es überschaubar bleibt. aber leider rappelt es dann auf einmal los. und ich kann es nicht mehr steuern. nicht kontrollieren. und schon gar nicht stoppen. diese wortgewalt. die da über mich hereinbricht.

die finger klopfen im zehnfingersystem auf die tastatur. ich hab noch gelernt. blind zu schreiben. auf einer mechanischen schreibmaschine. anfangs fallen dir fast die finger ab. beim üben von d a s zu pädagogisch äußerst wertvoller musik. auf a vier papier mit einem pling am zeilenende.

heute kann man sich das gar nicht mehr vorstellen. meine kinder schreiben mit zwei. maximal vier fingern und sind fast genauso schnell wie ich. aber ich kann blind schreiben. das neiden sie mir. und ich bin auch ein bisschen stolz drauf. mache manchmal sogar die augen zu beim schreiben.

also ich bemühe mich. kurze. prägnante texte zu verfassen. aber dann rappelt es plötzlich los. ich bin wie ausgeliefert. meine finger tippen und weil ich blind schreibe. spuckt es die wörter fast so schnell aus. wie sie in meinen kopf kommen. wort. satz. absatz. ein nicht enden wollender fluss.

ich verwende seit ein paar jahren die formulierung. es schreibt durch mich. wie channeln. kennst du vielleicht. da gibt es leute. die empfangen botschaften woher auch immer. und die schreiben sie dann auf. ich hab mich nie dazu gezählt. dass ich etwas channele. so sah ich mich nie.

aber manchmal bin ich doch verwundert. was aus einem satz. mit dem ich beginne. letztendlich für ein text entsteht. und dass sich das thema. das ich ursprünglich in dem satz angedacht hatte. vollkommen gedreht hat mit dem weiterschreiben. das verblüfft mich dann doch immer wieder.

also ich kann nichts dafür. dass die texte so lang werden. weil sich scheinbar erst mit einer bestimmten anzahl von wörtern oder sätzen der sinn herausschält. und vielleicht braucht es ja auch eine gewisse zeit. bis der sinn des textes. der inhalt oder die essenz zu dir durchsickert.

auf jeden fall siehst du. ist heute schon wieder ein text entstanden aus den worten „ich bemühe mich“ und ich wusste partout nicht. wohin es mich verschlagen wird. ich dachte es geht um normales bemühen. wie man es eben so kennt. als mensch. aber nein. es ging um anderes.

ich freue mich. wenn du trotz der wortgewalt. die da über mich und dann auch über dich hereinbricht. zufällig heute oder hin und wieder oder vielleicht auch immer oder immer öfter meine texte liest. das freut mich. ehrt mich. und ich danke dir. aber du weißt es jetzt zumindest.

dass ich mich bemühe. 💕