das stadtkind - Katharina Pachta
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das stadtkind

 

das stadtkind

 

das stadtkind fährt aufs land. also so richtig aufs land. dorthin. wo sich hase und igel gute nacht sagen. es wohnt ein wenig außerhalb vom ort. will die absolute stille. oberhof heißt es da. und da ist wirklich nix außer wiesen. berge weiter weg. und oberhalb vereinzelt ein paar höfe.

des abends macht sich das stadtkind zurecht. um freunde zu besuchen. geht zu fuß. ist ja den halben tag im auto gesessen. ein bisschen bewegung schadet nicht. und weit ist es nicht. google maps sagt fünfundzwanzig minuten. das ist für ein wandererfahrenes stadtkind nicht weit.

und da es gar so nah ist. gewandet sich das stadtkind ins selbstgenähte designermäntelchen. die bunten leggings schauen keck hervor. dazu die flachen stiefelchen. und da die wolken gar so tief hängen. die wetter app regen ansagt. ein tuch um den hals und der große rote schirm an die hand.

so schreitet das stadtkind hurtig aus dem haus. gut gewappnet gegen wind und wetter. links raus. eben dahin. dann nochmals links. ein hügerl hinauf. es folgt der asphaltstraße. flaniert an einem einsamen haus vorbei. winkt dem hausmann. der plötzlich schreit. in ort gehts do long. das stadtkind schaut verwirrt. dreht um. und verlässt die asphaltpiste.

da wird es dann enger. von zwei auf einspurig. der weg wird ein wegerl. wird steiler. steiniger. ein bisschen matschig. dann gatschig. kuhfladengespickt. wiesen und wald rundum. oh wie schön. so viel natur. die stiefelchen finden noch halt. das mäntelchen wird zu warm. der schirm ist im weg.

aber das stadtkind lässt sich nicht beirren. wandert weiter bergan. eine frau im jogger kommt entgegen. sohnemann vorneweg. beide mustern das stadtkind. das etwas deplaziert hier herumspaziert und sich plötzlich komisch vorkommt mitten auf der bergweide.

aber es kommt gut an. der abend ist fein. essen. plaudern. wein. bis dem stadtkind bewusst wird. dass es ja im stockdunkeln heimwandern darf. zwanzig minuten. ein bisschen mehr. hm. ja bitte mehr von dem wein. dann wird die dunkelheit freundlicher. der weg kürzer. so wird´s gehen.

frohen mutes verabschiedet sich das stadtkind von den freunden. geht´s eh. jaja. sollen wir nicht doch mit dem auto. neinnein. das mach ich schon. bin ja eine wandermaus. aja stimmt. die straße ist beleuchtet. der schwenk ins grüne. dunkle. den berg hinauf. da wird´s schon gruselig.

aber das stadtkind schreitet wacker aus. kennt da nix.

mond gibt´s heute keinen. wäre ja zu romantisch. der regen bleibt gsd aus. so still ist´s. man hört jedes knacken. der weg nur erahnbar. der gatsch gut spürbar. welcher ist jetzt schon egal. und hallo den steinen. ein gestolper den berg hinauf. gut. dass es dunkel ist und keiner zuschaut.

endlich oben. puh. kurze pause. dann hurtig den berg hinab. über stock und stein. erleichtert landet das stadtkind am asphalt. die stieferl atmen auf. doch plötzlich kommt ein auto entgegen. das stadtkind weicht aus ins weiche gras. steht da im scheinwerferlicht. den schirm im anschlag.

das auto verlangsamt. der fahrer schaut raus. mustert das eigenartige. städtisch gewandete geschöpf da mitten in der nacht. im grünen nowhere. das stadtkind senkt den blick. zu peinlich die fleischbeschau. das auto fährt weiter. das stadtkind atmet auf.

und stapft weiter. will jetzt nur mehr heim. sich verkriechen. das haus kommt in sicht. ein bisschen licht leuchtet aus einem der fenster. vor der tür geht die lichtanlage an. es wird taghell. die haustür geöffnet. geschlossen. das stadtkind lehnt sich an die wand. und atmet mal tief durch.

was für eine blöde idee. herrje. es schwört sich. nienienie wieder in so einem bescheuerten aufzug im dunkeln in die berge zu gehen. und aufs navi verlässt es sich garantiert auch nie wieder. wo die höhenmeter fehlen und kein unterschied gemacht wird zwischen gatsch und asphalt.

aber heute lachen wir schon drüber. 💕