das nichts erlauben - Katharina Pachta
21148
post-template-default,single,single-post,postid-21148,single-format-standard,ajax_fade,page_not_loaded,,qode-title-hidden,hide_top_bar_on_mobile_header,qode-content-sidebar-responsive,qode-theme-ver-16.9,qode-theme-bridge,qode_header_in_grid,wpb-js-composer js-comp-ver-5.5.5,vc_responsive

das nichts erlauben

das nichts erlauben

 

ich wache auf. räkle mich. komme an im neuen tag. es ist schon ein bisschen hell. ich bin noch ganz verschlafen. kuschle mich in die übergroße decke. rücke den polster in die optimalste position. versinke mit geschlossenen augen nochmals tief in dieser weichheit.

doch plötzlich schießt es mir ein. was ist heute. wie spät ist es. habe ich einen termin. wo muss ich hin. ich habe keinen plan. werde leicht panisch. fummle nach meinem handy. aktiviere es. öffne den kalender. suche mit wirren augen in dem bunten durcheinander den heutigen tag.

und da steht nix.

puh. ich überlasse das handy sich selbst. falle zurück in die pölster. ziehe die decke über mich. seufze. und kichere. wie cool. ich habe nichts vor. was für ein luxus. was für ein leben. ich habe nichts vor. nichts. was mich aus dem bett wirft. keinen termin. keine arbeit. ich kann tun. wonach mir ist.

das klingt doch gut. das ist wunderbar. ich liege und lausche. in mir wird es still. ist das gut. mein herz zieht sich langsam zusammen. es ist ok. es ist heute so. es ist… waaahhhh. es ist schrecklich. ich habe NICHTS zu tun. das ist ganz und gar nicht gut. das fühlt sich nicht gut an.

ich erstarre unter meinen decken. und sehne mich plötzlich zurück in alte tage. wo ein wecker oder kindergerumpel mich aus dem bett hebelte. wo termine meinen tag diktierten. wo ich eingeteilt war von früh bis spät. aufgaben zu erledigen hatte. wo ich gebraucht wurde. aufgaben zu erfüllen hatte.

die neue freiheit hat ihre tücken.

da lieg ich jetzt und sehne mich nach einem leben. das schon längst nicht mehr meines ist. so viele jahre musste ich das schon nicht mehr. zb einen wecker stellen. ich muss lachen. wie viele jahre habe ich mich danach gesehnt. aufzuwachen. weil ich ausgeschlafen bin. und dann nichts zu müssen.

an einem exorbitanten buffet zu stehen und vollkommen freie wahl zu haben. einfach das zu wählen. wonach dir grad ist. das ist leben. das ist der sinn des lebens. deswegen sind wir hier. du und ich. wir alle. wir sind hier. um frei zu wählen. was wir wollen. jeden tag. in jedem moment.

aber was tust du. du schaufelst dich zu. tagaus. tagein. mit tausenden kleinen und großen dingen. läufst und erfüllst. macht dir das spaß. wer hat das bestimmt. dass es so sein muss. hast du das gewählt klaren. sehenden auges. oder bist du da reingerutscht. in dieses leben.

ich konnte es nicht glauben. dass leben so gemeint war. dass ich eingespannt bin in ein system mit vielen anderen. ein system. das ich erfüllte. das mich aber mit den jahren nicht mehr erfüllte. ich wurde müde. in mir war es traurig und leer. ich konnte den sinn darin nicht erkennen.

deswegen bin ich ausgestiegen. peu à peu. und es fühlt sich gut an. es fühlt sich immer besser an. ich gehe seit jahren diesen weg der freiheit. jeden tag ein schritt. immer weniger verpflichtungen. immer mehr raum für unvorhergesehenes. immer mehr leben. so wie ich es will.

💓 was bist du ohne all diese verpflichtungen?

💓 was bist du ohne deine arbeit?

💓 wieviel mehr könntest du du sein ohne all das?

💓 was würdest du tun. wenn geld keine rolle spielt?

💓 was würdest du den ganzen tag lang machen?

💓 wie würdest du leben?

ich dachte immer. das kann ich nicht beantworten. das ist nicht für mich. das können nur andere. das können nur andere sich leisten. aber was wenn doch. was wenn genau das auch für dich möglich ist. was wenn genau du es genauso kannst.

freiheit ist auch für dich möglich. wenn du sie erlaubst. 💕