coole socke - Katharina Pachta
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coole socke

coole socke

 

ich bin eigentlich eine coole socke. oh. das wollte ich gar nicht schreiben. ich wollte schreiben. ich bin eigentlich eine coole mutter. aber dann hat sich die socke dazwischen geschoben. vielleicht weil ich barfuss hier sitze und mit den kalten zehen wackle.

vielleicht bin ich ja tatsächlich eine coole socke. aber um die geht es grad nicht. 😁

so again. ich bin eigentlich eine coole mutter. ich komme aus einer familie mit fünf kindern. bei uns gab es ein ungeschriebenes gesetz. dass. wenn du unterwegs bist. du dich nur dann meldest. wenn etwas passiert ist. weil es geht ja nicht an. dass fünf kinder sich ständig melden. da wirst ja wahnsinnig.

ich fand diese regelung immer überaus sinnvoll und als kind super. ich fühlte mich unheimlich frei. leicht und in vertrauen gewiegt. vor allem im vergleich zu anderen kindern. jugendlichen. jungen erwachsenen. und auch heute noch. im vergleich zu manchem erwachsenen.

genauso handhabe ich das auch mit meinen kindern. von anfang an ließ ich sie an langen leinen die welt erkunden. krabbeln. anstoßen. gehen. hinfallen. laufen. stolpern. klettern. runterfallen. reisen. herausforderungen meistern. ich habe ein tiefes tiefes urvertrauen. dass sie alles schaffen. und wenn nicht. tja. dann melden sie sich eh.

deswegen bin ich eigentlich eine coole mutter. im vergleich zu manch anderen müttern war ich meistens gelassen. entspannt. vertrauensvoll. aber schon wieder schummelt sich hier das wort eigentlich herein. warum wohl. tja. weil ich eben doch nicht immer eine coole mutter bin.

zum beispiel in den vergangenen tagen. da fährt das eine kind nach prag. packt ruckzuck. sagt tschüss und ist weg. ich versteh grad noch prag und irgendein event. das andere wuselt seit tagen in seinem leben herum und meldet sich nicht. also nach altem gesetz geht es beiden gut.

aber dann. wird lautstark. schicksalsschwanger und endgültig der lockdown in österreich verkündet. allüberall munkelt. flüstert und dröhnt es. ich höre an verschiedenen orten die worte „zum letzten mal“. es klingt als würde die welt untergehen. oder als ob wir nicht weiterleben würden.

es lässt mich erzittern. und die coole mutter wird zur sorgenvollen glucke. hat plötzlich angst um ihre küken. die aber doch ziemlich erwachsen eines in prag. das andere in wien abtanzen. sie schreibt ihnen. vorsichtig. zögerlich. aber die zur freiheit erzogenen kinder melden sich nicht.

einatmen. ausatmen. einatmen. ausatmen. eine gute übung. einatmen. ausatmen über tage. bis endlich erleichterung eintritt. als das eine kind schreibt. wann es ankommt. und das andere schreibt auf die frage. wie es geht. gut. morgen telefonieren. ich atme aus. bin wieder friedlich.

weil eigentlich bin ich doch eine coole mutter. 💕

www.katharinapachta.com